Der Fall Simon Bromma/Brenner

Dokumentation eines interessanten Artikels von linksunten.indymedia.org:

Heidelberger LKA-Spitzel „Simon Brenner“ als Simon Bromma enttarnt
Am 12. Dezember 2010 wurde in Heidelberg ein in die linke Szene eingeschleuster Spitzel des Landeskriminalamts Baden-Württemberg enttarnt. Der Deckname des Polizeispitzels lautete „Simon Brenner“. Sein Klarname ist Simon Bromma. Seiner Legende nach kam „Brenner“ aus Bad Säckingen. In Wirklichkeit kommt Bromma aus Radolfzell am Bodensee.

Bullen, Narren, Spießbürger

Der fiktive Vater des politisch interessierten Studenten „Simon Brenner“ heißt „Franz“ und wohnt in der Zeppelinstraße 45 in Bad Säckingen am südlichen Rand Baden-Württembergs. Der Vater des Polizisten Simon Bromma heißt ebenfalls Franz und wohnt im Süden Baden-Württembergs. Der reale Franz lebt in Radolfzell und arbeitet in Konstanz. Bei der Polizeidirektion. Vater Bromma ist gewerkschaftlich organisiert in der „Deutschen Polizeigewerkschaft“, ist Mitglied des Pfarrausschusses St. Meinrad und „Fähnrich“ der 1933 gegründeten Narrengarde der Narrenzunft „Narrizella Ratoldi“.

Auch Simons Bruder Benjamin „Bennie“ Bromma ist bei der Polizei. Der Polizeiobermeister ist im gleichen Narrenverein wie der Vater organisiert, spielt Schlagzeug in der Radolfzeller Blasmusikkapelle und im Orchester der „Gemeindejugend Mühlhausen, Ehingen & Aach“.

Simon Bromma selbst ist im Turnverein aktiv. Als „Turngauverantwortlicher“ beim „40. Internationalen Jugendzeltlager der Badischen Turnerjugend in Breisach“ im August 2008 nahm er Anmeldungen unter seiner Heimatadresse Allmendstraße 9, 78315 Radolfzell, Telefon (07732) 971600, E-Mail: SimBromma@yahoo.de entgegen. Kein Zweifel: Familie Bromma ist im Radolfzeller Vereinsleben fest verwurzelt.

Eine Legende nah am Leben

Noch im Januar 2010 – während er bereits als „Simon Brenner“ in Heidelberg auf Wohnungssuche ging – wurde Simon Bromma bei der Hauptversammlung des „Hegau-Bodensee-Turngau“ im „Wein- und Kulturzentrum des Meersburger Winzervereins“ als „Jugendwart“ gewählt. Auf der „Turngau“-Homepage wird er immer noch als „Jugendwart (kommissarisch)“ geführt, allerdings unter der Adresse der Bereitschaftspolizei Böblingen in der Wolfgang-Brumme Allee 52, 71034 Böblingen, Tel. 0160/90646795, E-Mail: Jugendwart@Hegau-Bodensee-Turngau.de.

Ende 2006 erhielt Bromma seinen Gesellenbrief und eine Auszeichnung im Bereich „Metall“. Wie aus den gehackten Mails von „Simon Brenner“ hervorgeht, gab er bei einer „Selbstauskunft für Mietinteressenten“ während seiner Wohnungssuche in Heidelberg an, eine „Ausbildung zum Industriemechaniker“ gemacht zu haben. Gegenüber Heidelberger Linken behauptete er, im Betrieb seines Vaters Schlosser gelernt zu haben.

„Simon Brenner“ fuhr gerne mit dem Fahrrad von seiner außerhalb Heidelbergs liegenden Wohnung in die Stadt. Simon Bromma nahm 2008 für seine Polizeidirektion an einem Fahrradrennen in Kirchzarten teil. Laut Personalausweis wurde „Brenner“ am 13.04.1986 geboren, Bromma gab bei seiner Anmeldung in Kirchzarten als Geburtsjahr 1985 an. „Simon Brenner“ benutzte die Yahoo-Mailadresse simonbrenner@ymail.com, Simon Bromma ist unter simbromma@yahoo.de zu erreichen. Für seinen Amazon-Account verwendet Bromma die Adresse simykingmail@gmx.de. Am 29.10.2008 bestellte Bromma das Buch „Jeden Tag den Tod vor Augen: Polizisten erzählen [Broschiert]“. Als Rechnungsadresse gab er die Allmendstraße in Radolfzell an.

Wunderbar ist die Gabe, die Lüge spitz zu kriegen

Nach seiner Ausbildung bei der 5. Bereitschaftspolizeiabteilung in Böblingen wechselte Bromma 2009 ins Polizeirevier Überlingen in der Mühlenstraße 16. Beim LKA absolvierte er nach eigenen Angaben eine mehrmonatige „Spezialausbildung“ zum Spitzel und begann Ende 2009 die Identität „Simon Brenner“ aufzubauen. Ab Anfang April 2010 infiltrierte Bromma aktiv die linke Szene in Heidelberg. Neben regelmäßigen Berichten für die LKA-Abteilung „I540 Verdeckte Ermittlungen“, die er nach eigenen Angaben alle zwei Wochen in Stuttgart verfasste, hielt er auch Kontakt zum Heidelberger Staatsschutz. Seine Kontaktbeamten beim Heidelberger Dezernat 14 waren Michael Schlotthauer (49 Jahre) und Volker Schönfeld (46 Jahre).

„Simon Brenner“ nutzte Bankkonten bei der Postbank Stuttgart mit der Kontonummer 460730700 und bei der Volksbank Rhein-Wehra mit der Kontonummer 43458302. Seinen Heidelberger „Genossinnen und Genossen“ gab er die Handynummer (0151) 20727114, mit der er auch mit seinen Führungsbeamten beim LKA Kontakt hielt. Eine weitere Nummer von „Simon Brenner“ war (0160) 6543994. Er bewarb sich bei verschiedenen Wohnungen, die alle ein Stück außerhalb Heidelbergs lagen, obwohl er mit seinem Spesen-Budget auch ein Zimmer im Stadtzentrum hätte finanzieren können: „Preislich liegt meine „Schmerzgrenze“ bei ca. 500 € pro Monat (Kaltmiete)“.

„Simon Brenners“ Legende weist viele Ähnlichkeiten mit seinem realen Leben auf. Aus Sicht der Bullen macht das Sinn. Weder der Spitzel noch Freunde können sich so leicht verplappern, eine Zufallsbegegnung eines alten Bekannten endet wegen der Ähnlichkeit des Namens nicht gleich mit der Enttarnung und der Spitzel kann auf den vertrauten Klang des Namens reagieren. Durch Überschneidungen von Biographie, Heimatregion, Kenntnissen und Hobbys der realen und fiktiven Person muss der Spitzel sich nicht zu sehr verstellen. Und eine Bullenfamilie ist der beste Garant für loyales Schweigen.

Spitzel sind das Allerletzte

„Simon Brenner“ war sich sicher, dass er einfach abtauchen kann. Er glaubte an die Anonymität seiner realen Identität. Für ihn war sein Verrat nur ein Spiel. Aber Verrat ist kein Spiel. Simon Bromma wird die Konsequenzen seines Handelns tragen müssen.

Im Originalartikel gibt es viele Links und Fotos…

Share and Enjoy:
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • email
  • Google Bookmarks
  • Identi.ca
  • MySpace
  • RSS
  • Technorati

1 Antwort auf „Der Fall Simon Bromma/Brenner“


  1. 1 Zeitungsleser 06. Januar 2011 um 13:20 Uhr

    Spionageabwehr: Linke Hacker-Gruppe deckt Doppelleben des LKA-Ermittlers »Simon Brenner« auf:

    http://www.jungewelt.de/2011/01-05/016.php

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.